Political Correctness für Basenjibesitzer
Ausschlaggebend war eine Bemerkung von Herrchen. Er sah unsere Cosima genüsslich in der Sonne liegen und meinte: „Du bist aber ein fauler Hund!"
Spricht man so mit seinem Basenji?
Man hat doch so was wie ein Bewusstsein für politisch korrekte Sprache. Ganz unmerklich, dank Presse und Fernsehen, wurde man eingestimmt auf „Neusprech". Schon vor Jahren hieß die Mülldeponie plötzlich „Entsorgungspark" und das Altersheim mutierte zur Seniorenresidenz. Alt wird man sowieso nicht mehr, dafür wird man zum best ager, oder falls man es noch ins Internet schafft, zum silver surver.
Dank der dazu gewonnenen neuen Bundesländer ist uns auch eine, Jahresendfigur mit Flügeln" nicht mehr unbekannt, und wir haben nun emsig dazugelernt und viel begriffen. Zum Beispiel, dass der Depp von nebenan nicht mehr Trottel geschimpft werden darf, sondern „Mitbürger mit bildungsferner Herkunft", und der Bettler am Straßenrand gehört vermutlich zum neuen Prekariat. Deswegen ist er zwar immer noch ein armer Teufel, und es schert ihn vermutlich einen Dreck, dass er einen neuen Titel hat, aber einige Politiker fühlen sich dabei offensichtlich besser. Au weia - durfte ich eigentlich das Wort Teufel verwenden? Das ist eigentlich auch eine Diskriminierung, müsste es nicht heißen: „Gefallener Engel mit luziferischen Zügen? Na ja - wir wollen es nicht übertreiben.
Aber in jedem Fall stelle ich einen Antrag, dass das Antidiskriminierungsgesetz auch für unsere Basenjis gilt. Korrekt ist zum Beispiel die Anrede mit Namen. Wir dürfen also Cosima rufen, ohne gleich angezeigt zu werden. Bei wichtigen Anlässen ist es nach neuem Knigge aber höflicher, den Adelstitel nicht zu unterschlagen und sie in diesem Fall Mokoondis Cosima Sternhimmel zu rufen, was sie nicht weiter stört, denn sie hört sowieso am besten auf „Leckerchen".
Wie ist es aber, wenn wir in guter Gesellschaft von unserem Hund, pardon von unserer Cosima erzählen? Wir also über sie und nicht mit ihr sprechen? Da wird es heikel. Hund geht schon mal gar nicht. Siehe „fauler Hund", „dummer Hund" etc. Also handelt es sich bei dem altmodischen Wort Hund offensichtlich um einen diskriminierenden Ausdruck. Aber was ist Cosima sonst? Ein Basenji natürlich, aber das ist nun wirklich eine unglückliche Bezeichnung, übersetzt heißt das: „kleines Buschding", und ein Hund ist schließlich ein Tier und keine Sache. Wozu haben wir solange um ein neues Tierschutzgesetz gerungen? Nun haben wir uns Mühe gegeben und unsere Cosima mal auf leicht erkenntliche, nicht diskriminierungsfähige Merkmale untersucht. Dabei haben wir Schritt für Schritt die Lösung gefunden.
Erstens haben wir festgestellt, dass sie vier Beine hat, was schon mal für sie spricht. Schließlich werben Autos auch mit Allradantrieb. Dann hat sie eindeutig ein Fell. Außerdem lebt sie mit uns unter einem Dach. Also nennen wir sie politisch korrekt: Vierbeinige, fellbekleidete Mitbewohnerin. War da noch was?
Ach ja, ihre Vorfahren kommen aus Afrika. Sicherheitshalber hängen wir noch an: mit Migrationshintergrund. Dr. Susanne Altweger